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Quo Vadis KI-Texte?

Quo Vadis KI-Texte? Von Claude gekennzeichnet, von Google bestraft…Fluch oder Segen? Eine Bestandsaufnahme.

Von Claude gekennzeichnet, von Google bestraft…Fluch oder Segen? Eine Bestandsaufnahme.

Es ist noch gar nicht lange her, da schien das Aufkommen von ChatGPT & Co einen lange gehegten Traum unzähliger Unternehmen zu erfüllen: Endlich konnte ohne viel Aufwand all der Content für Blogs, Ratgeber, Websites oder Social Media produziert werden, für den vorher weder Zeit noch Geld vorhanden waren.

 Aber die Nutzung der neuen Technologie nahm schnell Überhand und unfassbare Mengen an minderwertigen Inhalten fluteten jeden Winkel des Internets. Das wurde auch für die LLMs (Large Language Models) zur Herausforderung. Denn wenn die Qualität der Inhalte, welche in die Trainingsdaten der LLMs einfließen, aufgrund dieser Entwicklung immer schlechter wird, wirkt sich das auch negativ auf die Qualität der Antworten von ChatGPT & Co aus.

Nicht KI-Texte, sondern Menschen schaffen das Problem

Dabei sind nicht KI-Texte an sich das Problem, sondern der oft stümperhafte Umgang der Menschen mit der Content-Produktion. Erstbester Prompt, Copy & Paste und raus damit. Das mag Inhalte skalieren, aber das löscht jede redaktionelle Qualität aus. Aber genau auf die kommt es an (sowohl für Leser und Leserinnen als auch für die angestrebte Sichtbarkeit des Contents).

Nach einer ersten Welle der Euphorie, in der viele für ihre unmenschliche Content-Skalierung gefeiert wurden und alle das auch haben wollten, kam schnell die Einsicht: die überproportionierte Zunahme an quantitativen Einheitsbrei und der parallele Verlust an Qualität kann nicht die Lösung sein. Weder fürs Content-Marketing, noch für die Sichtbarkeit. Deshalb haben wir schon Ende 2024 die gleichnamige Empfehlung in unserem Blog-Beitrag getroffen: „Schreib besser selbst“.

Plattformen müssen auf KI-Texte reagieren

Die Büchse der Pandora wurde geöffnet – wie können wir das jetzt wieder einfangen? Diese Frage müssen sich Google, OpenAI & Co gestellt haben, schließlich stellt all der minderwertige Content eine große Belastung für die Konzerne dar, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, den Menschen qualitativ hochwertige Antworten zu liefern.

Google reagierte als erstes und erlies neue Richtlinien. Wer „Scaled Content Abuse“ betreibt, also Inhalte nicht nur mit Hilfe der KI erstellt, sondern diese Inhalte auch übermäßig skaliert, wird abgestraft und aus dem Google Index verbannt. Aber wo fängt minderwertige Content-Skalierung an?

Harte Strafen für zu viele KI-Texte

Mittlerweile ist Google zu einer anderen Taktik übergegangen. Websites erhalten nicht mehr wegen zu viel minderwertigen KI-Texten eine Strafe, sondern immer mehr wegen zu wenig hochwertigen Inhalten. „Thin Content“ ist die Ursache aktueller Penaltys, die Websites temporär oder dauerhaft aus dem Index streichen.

Die Logik dahinter: Websites, die zu viele austauschbare KI-Texte verwenden und kaum noch redaktionell anspruchsvolle Inhalte aufweisen können, verfügen im Grunde über gar keinen Content und werden deshalb abgestraft.

Kennzeichnung macht KI-Texte sichtbar

Das Argument, dass Google die KI-Texte nicht sicher erkennen kann, fällt dabei immer mehr in sich zusammen:

 

  • In Gemini erstellte Texte erhalten seit 2024 mit SynthID ein Wasserzeichen
  • Auch Claude setzt seit August 2026 auf eine ähnliche Technologie
  • Andere Anbieter werden folgen, weil sie durch den EU AI Act dazu verpflichtet sind
  • OpenAI nutzt für ChatGPT eine Übergangsfrist und dürfte im Dezember nachrüsten

 

Die Wasserzeichen werden auch dann gesetzt, wenn Texte nur mit der KI überarbeitet oder umstrukturiert wurden und bleiben auch beim Kopieren erhalten. Natürlich gibt es Möglichkeiten, die Kennzeichnungen zu entfernen. Aber genauso gibt es Möglichkeiten, die Entfernung der Kennzeichnung zu erkennen. Und wem das nachgewiesen werden kann, der dürfte sich mit größeren Problemen konfrontiert sehen als „Thin Content“.

AI-Slop kostet dich Reputation und Sichtbarkeit

Aber nicht nur auf Google können leicht austauschbare KI-Texte schädlich für dich sein. Beispielsweise LinkedIn hat vor einigen Wochen die AI-Slop Funktion eingeführt, mit der Nutzer und Nutzerinnen Inhalte melden können, die aus ihrer Sicht minderwertigen KI-Content darstellen.

Laut Sam Corrao Clannon, Leading Creator Product bei LinkedIn, wurde diese Funktion innerhalb der ersten 2 Wochen allein in den USA über eine Million Mal genutzt. Entsprechend geflaggte Inhalte verlieren nicht automatisch an Sichtbarkeit, büßen laut Corrao Clannon aber im Schnitt bis zu 40 % an Reichweite ein. Menschen wie Bots sind dementsprechend nur noch wenig begeistert von unkreativen KI-Inhalten, die jeder andere auch hätte publizieren können.

Vorsicht bei KI-Detektoren

Der Bedarf KI-Texte zu erkennen, besteht also offensichtlich nicht nur bei Konzernen, die ihre Algorithmen oder Plattformen bedroht sehen. Dafür spricht auch das Aufkommen von sogenannten KI-Detektoren, die derzeit wie Pilze aus dem Boden sprießen. Allerdings ist bei der Nutzung dieser Tools Vorsicht geboten.

Wir haben 5 der sichtbarsten KI-Detektoren in Deutschland jeweils mit 20 vollständig von der KI generierten Texten und jeweils mit 20 ausschließlich von Menschen verfassten Texten gefüttert und das Ergebnis war ernüchternd: Bei gut einem Drittel der Texte sahen die Detektoren „mixed Content“ oder waren sich nicht sicher, bei gut 15 % lagen sie schlichtweg falsch.

Welche Fragen du dir bezüglich KI-Texten stellen solltest

Aber was fängst du jetzt mit dieser Entwicklung für dich an? Ganz auf die Möglichkeiten der Content-Produktion mit Hilfe von KI zu verzichten, wäre ein klarer Rückschritt. Doch wie kannst du dafür sorgen, dass deine Inhalte trotz KI-Nutzung hochwertig sind und sich nicht negativ auf deine Marke, Reputation und Sichtbarkeit auswirken?

Du musst dir drei entscheidende Fragen stellen:

 

  1. Reicht dir ein kurzer Prompt aus, in dem du keine detaillierten und durchdachten Anweisungen zur Verfügung stellst, um deine Inhalte zu produzieren?
  2. Übernimmst du den Output der KI, ohne diesen von einem Menschen redigieren, umformulieren oder fine-tunen zu lassen?
  3. Könnte dieser Inhalt genauso von anderen Marken oder Personen publiziert werden, weil deine Expertise und deine eigenen Erfahrungen nicht in den Text einfließen?

 

Wenn du alle drei Fragen mit „ja“ beantworten kannst, hast du ein Problem und wir reden über „Thin Content“ oder „AI-Slop“.

Outsourcing der Content-Produktion birgt Risiken

Für viele Unternehmen kommt beim Content-Marketing eine weitere Herausforderung hinzu: Viele lagern die Erstellung von Inhalten für die Website oder Social Media gerne an externe Anbieter aus. Prinzipiell ist das völlig in Ordnung. Allerdings ist die Anzahl an maximal semiprofessionellen Angeboten im Bereich Content seit ChatGPT in unfassbare Dimensionen vorgedrungen. Alle, die einen Laptop besitzen, scheinen jetzt erfahrene Content-Creator, Texterinnen oder Content-SEOs zu sein.

Es gibt leider zahlreiche unseriöse Anbieter, die genau das machen, was dir langfristig schaden wird: Sie skalieren dank KI und mit extrem geringen Aufwand minderwertigen Content, der auf den ersten Blick vernünftig aussehen mag, der dir mittel- und langfristig aber fürchterlich um die Ohren fliegen wird.

Deshalb solltest du bei der Auswahl eines potenziellen Partners oder einer Partnerin für die Content-Erstellung nicht nur auf eine „Leseprobe“ bestehen, um die Frage zu beantworten, wie hochwertig das Ergebnis ist, sondern vor allem auch den Prozess hinterfragen, also wie genau die Inhalte produziert werden.

Fazit: KI-Texte, ja oder nein?

Während Menschen noch vor kurzem den KI-generierten Output mehrheitlich bewundert haben, erkennen sie ihn jetzt auch manuell immer leichter (alle, die sich mit dem Thema intensiver beschäftigen, kennen die „KI-Patterns“ die leicht zu identifizieren sind) und sind von austauschbaren KI-Inhalten genervt.

Während du in den Augen deiner potenziellen Kunden und Kundinnen durch offensichtliche KI-Texte an Glaubwürdigkeit und damit Reputation verlierst, sorgen Bots durch Kennzeichnungen und Strafen für teilweise deutlich weniger Sichtbarkeit.

Das heißt nicht, dass du keine Texte mehr mit Hilfe von KI erstellen solltest. Das heißt aber, dass die Qualität deiner Inhalte über allem stehen sollte und darüber entscheidet, ob dein Content für dich positive oder negative Konsequenzen haben wird. Und über den Grad der Qualität entscheidet in jedem Fall der Mensch, der mit seinem Werkzeug, der KI, am professionellsten umzugehen weiß.

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