SEO-Abzocke: Vorsicht Falle Teil 3

Die Flut an zwielichtigen SEO-Angeboten nimmt stetig zu. Viele Unternehmen investieren viel Budget in die Optimierung der Google Sichtbarkeit ihrer Websites und stehen am Ende mit leeren Händen da. Wir zeigen dir, wie du unprofessionelle Anbieter*innen erkennen kannst und worauf du bei Angeboten achten musst.

Komplexität von SEO wird ausgenutzt

SEO ist oft komplex. Ranking-Faktoren und wirksame Maßnahmen unterliegen einem stetigen Wandel. SEO beruht häufig auf Erfahrungswerten, weil es keine exakte Wissenschaft ist und Google nur selten klare Ansagen macht. Was gestern Best Practice war, kann schon heute obsolet sein. Und es kann auch mal viele Monate dauern, bis eine SEO-Optimierung Wirkung zeigt.

Diese Komplexität machen sich unseriöse Anbieter*innen zu Nutze. Gewappnet mit einem selbstbewussten Auftreten und vielen Fachbegriffen fischen sie nach Aufträgen. Im Verkaufsgespräch und zu Beginn der folgenden Beauftragung mag das auch noch ganz gut klingen. Aber das böse Erwachen kommt.

Denn all die teuer bezahlten und über einen längeren Zeitraum umgesetzten Maßnahmen zeitigen nicht die erhoffte Wirkung. Die Sichtbarkeit auf Google hat sich entweder kaum verändert oder das erreichte Wachstum fußt auf Suchbegriffen, die völlig irrelevant sind und nur Traffic bringen, der nicht konvertiert. Im schlimmsten Fall wirken sich die Maßnahmen sogar schädlich aus, bis hin zu einem Penalty durch Google.

Den Schaden trägt der Kunde

Auf dem finanziellen Schaden bleiben in aller Regel die Kunden*innen sitzen. Schließlich können die sogenannten SEO-Experten*innen die Umsetzung von Maßnahmen belegen und dafür und nicht für den Erfolg der Maßnahmen werden sie bezahlt.

Natürlich können auch gut konzipierte und an sich richtige SEO-Maßnahmen nicht fruchten, obwohl alles richtig gemacht wurde. Zum Beispiel wenn parallel der Wettbewerb noch bessere SEO-Maßnahmen ergreift oder das neuste Google-Update alle bisherigen Spielregeln mal wieder über den Haufen wirft.

3 Typen von schlechten SEO-Berater*innen

Trotzdem lassen sich unseriöse bzw. unprofessionelle SEO-Anbieter*innen im Vorfeld einer Beauftragung recht gut erkennen. Dabei gibt es drei verschiedene Typen von zweifelhaften SEOs, die unterschiedliche Intentionen haben und es in manchen Fällen einfach nicht besser wissen. Für Kunden*innen läuft es am Ende aber auf das gleiche negative Ergebnis hinaus, egal auf welchen der drei Typen sie sich eingelassen haben.

  1. Typ Leichtfuß: Gefährliches Halbwissen

Niemand meint es böse mit dir. Die Person oder Agentur ist von ihren Fähigkeiten überzeugt. Nur leider beruhen die angewendeten Skills in einem hohen Maße auf gefährlichem Halbwissen und nicht auf tatsächlichen Best Practices oder Erfahrungen. Das kann auf einer oberflächlichen Ebene noch einigermaßen gut gehen, führt bei komplexeren SEO-Herausforderungen aber schnell zum Desaster.

  1. Typ Besserwisser: Veraltetes Wissen

Auch hier hat niemand den Vorsatz schlechte Arbeit abzuliefern. Aber die Person oder Agentur verlässt sich auf Wissen, was vor Jahren oder sogar Jahrzehnten einmal Gültigkeit hatte, heute jedoch längst überholt ist. Das ist bei der Suchmaschinenoptimierung tödlich, denn was früher gang und gäbe war, kann heute gegen Google-Richtlinien verstoßen. Dieser Typ ist erfahrungsgemäß noch schwieriger als der Erste, weil sich gerne auf den Standpunkt zurückgezogen wird: “was damals funktioniert hat, funktioniert auch heute noch”. Aber dem ist ganz häufig nicht so und du hast das Nachsehen.

  1. Typ Escobar: Mit Vorsatz

Der Worst-Case. Dieser Typ SEO darf eigentlich gar nicht SEO genannt werden und hat zu keiner Zeit vor die Sichtbarkeit deiner Website effektiv zu verbessern. Er oder sie nutzt die Komplexität der Branche aus, um dich mit wenig Aufwand über den Tisch zu ziehen.

Top 10 Qualitätskontrolle von SEO-Anbietern

Wie kannst du nun aber sicherstellen nicht einen dieser drei Typen zu engagieren? Schließlich können sich alle drei gut verkaufen und mit unzähligen Fachbegriffen Eindruck schinden. Dafür gibt es eine ganze Reihe an Vorsichtsmaßnahmen, die du prüfen solltest und eine ganze Reihe an Kriterien, bei deren Auftreten du die Beine in die Hand nehmen solltest. Das sind meine Top 10 zur Qualitätskontrolle von SEO-Anbietern:

  1. Wenn sich die Person im Kaltakquise-Modus bei dir gemeldet hat, solltest du besonders vorsichtig sein. Gute SEOs werden in der Regel gefunden und müssen nicht bei dir anklopfen. Das sagt Google in der Search Central selbst: „Bei SEOs und Web-Beratern oder -Agenturen, von denen du unaufgefordert E-Mails erhältst, ist Vorsicht geboten“.
  2. Der Anbieter hat keine eigene Website oder diese ist auf Google gar nicht oder nur sehr schlecht zu finden? Muss ich weiterreden? Warum sollte es bei dir besser laufen?
  3. Dir wird als Optimierung vorgeschlagen massenhaft Meta Keywords zu vergeben (völlig veraltet) oder noch schlimmer im Content deiner Seiten Suchbegriffe zu verstecken (wertet Google als Manipulation) oder noch schlimmer sogenannte Brückenseiten zu bauen (verstößt gegen Google-Richtlinien und wird mit einem Penalty bestraft).
  4. Dir wird als Optimierung ein Linkaustauschprogramm angepriesen oder der Kauf von massenhaft Backlinks angeboten. Früher, im wilden Westen des SEO, hat das tatsächlich gut funktioniert. Heute erntest du damit noch einen kurzfristigen Push und wirst anschließend von Google abgestraft.
  5. Dir wird eine Platzierung auf Position 1 garantiert. Niemand kann dir das garantieren. Wirklich niemand. Das sagt Google selbst in der Search Central: „Niemand kann dir eine Platzierung bei Google an erster Stelle garantieren“. Klingt das Versprechen zu verlockend, lass dir wenigstens vertraglich zusichern, dass nur bei Erreichen von Position 1, zu den von dir definierten Keywords XYZ, auch eine Vergütung erfolgt. Sollte sich dein Gegenüber tatsächlich darauf einlassen, bist du vielleicht auf einen Magier gestoßen. Aber im Ernst: Nimm bei solchen fabulösen Garantien lieber Abstand von dem Angebot.
  6. Dir wird die „Anpassung“ der von Google automatisch vervollständigten Suchanfragen im Suchschlitz der Suchmaschine angeboten. Nach dem Motto „wir bringen deine Marke in Kombination mit deinen Top Keywords als automatischen Vorschlag in den Google Suchschlitz“. Das ist tatsächlich möglich, aber nur mit Black-Hat-SEO, also unseriösen Praktiken, die allesamt gegen Google-Richtlinien verstoßen und den Ausschluss deiner Domain aus dem Google-Index zur Folge haben können.
  7. Wenn aus dem dir vorliegenden Angebot nicht klar und im Detail hervorgeht, was genau gemacht werden soll, was das Ziel dieser Maßnahmen ist, wie lange die Umsetzung dauert, wofür du genau bezahlst und wann ungefähr mit den positiven Auswirkungen zu rechnen ist, ist es nicht das richtige Angebot.
  8. Dir wird erzählt, dass sich der Erfolg von SEO-Optimierungen nicht messen bzw. nachweisen lässt. Das ist nämlich ein altes Märchen und völliger Quatsch.
  9. Dir möchte jemand ungefragt bezahlte Werbung über Google Ads andrehen, obwohl es dir um SEO-Optimierungen geht. Selbst wenn du zusätzlich auch Anzeigen schalten willst: Wenn keine klare Grenze zwischen bezahlten und organischen Suchergebnissen gezogen wird, wird das auf keine fruchtende Partnerschaft hinauslaufen.
  10. Möchte dir dein Gegenüber Fragen zu SEO-Themen nicht transparent beantworten, ist das kein gutes Zeichen. Unter Umständen soll dein Wissen nur kleingehalten werden, damit du Erfolge oder Fehler nicht selbst beurteilen kannst und so abhängig bleibst. Aber ist das dann die richtige Partnerschaft für dich?

Top 10 Fragen an deinen potenziellen SEO

Den SEO-Dienstleister*innen, die es durch deine Qualitätskontrolle geschafft haben und mit denen du nun über eine mögliche Beauftragung verhandelst, solltest du gezielte Fragen stellen. Die Antworten werden dir helfen zu entscheiden, ob es sich um Profis handelt und ob eine Zusammenarbeit in deinem Sinne ist.

  1. Was sind aus deiner Erfahrung die Hebel zur SEO-Optimierung mit dem größten Impact? (Notiere dir die genannten Methoden und google sie, wenn du nicht bewerten kannst, ob diese sinnvoll und zeitgemäß sind)
  2. Wie kann ich mir den Prozess vorstellen? Wirst du mir die einzelnen Empfehlungen für SEO-Maßnahmen ausführlich begründen und gibt es eine Art Dokumentation zu den umgesetzten Aktivitäten?
  3. Wie misst du den Erfolg der umgesetzten Maßnahmen?
  4. Mit welchen SEO-Tools arbeitest du?
  5. Sind dir die Search Quality Rater Guidelines bekannt? (das sind Google’s Definitionen der SEO-Grundlagen)
  6. Hältst du dich an die Grundlagen der Google Suche und woher nimmst du aktuelle Best Practices? (aktuelle Best Practices veröffentlicht Google in der Search Central)
  7. Welche Erfahrungen hast du in meiner Branche?
  8. Was sind die Unterschiede zwischen SEO und Local-SEO? (geht es dir um eine Optimierung der lokalen Sichtbarkeit sind die Maßnahmen ganz andere)
  9. Hast du Referenzen, die den Erfolg von vergangenen Maßnahmen belegen?
  10. Hast du Fragen an mich? (zeigt dein Gegenüber kein Interesse an deiner Marke, deinem Unternehmen, deiner Branche oder deinen vergangenen SEO-Maßnahmen solltest du mit jemandem sprechen, der Interesse hat)

Fazit und drei goldene Regeln

Wenn du die Qualitätskontrolle beherzigst und mit den völlig legitimen Fragen die Fähigkeiten deines potenziellen Auftragnehmers abklopfst, solltest du nicht an den falschen geraten und es gibt kein böses Erwachen. Übrigens sind dies alles nicht nur meine Empfehlungen, um unseriöse Angebote zu entlarven, sondern auch die von Google selbst. Nachzulesen in der Dokumentation der Search Central.

Zum Abschluss möchte ich dir drei goldene Regeln mitgeben, die dein Grundpfeiler für eine erfolgreiche SEO-Optimierung sein sollten:

  1. Definiere alle Details

Einfach nur die Sichtbarkeit auf Google zu erhöhen, ist kein Ziel. Es geht darum festzuhalten, zu welchen Keywords du besser gefunden werden möchtest, wie dein aktuelles Ranking dazu ist und wo du hin willst. Was sind neben der Sichtbarkeit deine eigentlichen Ziele? Zum Beispiel mehr organische Zugriffe auf die Seiten XYZ und dadurch mehr Umsatz. Welche SEO-Maßnahmen werden warum empfohlen, was kostet die Umsetzung, wie lange dauert die Umsetzung, wann darfst du mit den Ergebnissen rechnen? Definiere so viele Details wie möglich, um auf der möglichst sicheren Seite zu sein.

  1. Beginne mit einem SEO-Audit

Die Grundlage einer jeden SEO-Optimierung sollte ein SEO-Audit sein, welches alle Optimierungspotenziale deiner Website offenlegt und den aktuellen Status Quo deiner Website zu allen wichtigen Ranking-Faktoren festhält. Nur wenn das Gesamtbild bekannt ist, können die besten Maßnahmen ergriffen und die bestmöglichen SEO-Optimierungen umgesetzt werden. Das ist nicht nur meine Erfahrung, das sagt auch Google. Nachzulesen in der Dokumentation der Search Central.

  1. Bewerte den Erfolg anhand von Traffic & Umsatz

Nicht wenige SEOs bewerten den Erfolg von Optimierungen nur anhand eines Sichtbarkeitsindexes. Dieser gibt zwar einen guten Rückschluss darauf, ob deine Website in der Breite sichtbarer auf Google ist als zuvor, sagt aber nichts darüber aus, ob diese Sichtbarkeit dir auch mehr Traffic oder Umsatz einbringt. Denn das muss nicht proportional zueinander steigen. Du kannst zwar viel Zuwachs bei der Sichtbarkeit haben, jedoch keinerlei Traffic daraus gewinnen. Oder mehr Traffic dadurch erhalten, der aber zu keinerlei Leads oder Sales führt. Deshalb werte den Erfolg von Maßnahmen auch über eine organische Traffic- sowie Umsatzanalyse aus (anteilig z.B. über die Google Search Console) und halte diese Anforderung auch im Vorfeld einer Beauftragung fest.