Vorsicht Falle!

Wir zeigen euch, wie ihr unseriösen Angeboten auf die Schliche kommt

Auf unseren Artikel Ein unmoralisches Angebot aus dem letzten Jahr erhalten wir nach wie vor so viel positives Feedback, dass wir das Thema der dubiosen Online Marketing Anbieter nochmal vertiefen wollen.

Leider auch deswegen, weil die Flut an zwielichtigen Angeboten immer größer und die Methoden der angeblichen Experten immer dreister werden. Dabei gibt es mehrere Eskalationsstufen, angefangen von Angeboten, die einfach schlecht recherchiert und nicht auf eure Bedürfnisse zugeschnitten sind, bis hin zu schlichtem Betrug.

Wir haben für euch drei Beispiele von solchen fragwürdigen Angeboten zusammengestellt, welche uns bzw. unseren Kunden in den letzten Monaten begegnet sind und zeigen euch, wie einfach ihr die falschen Fünfziger in der Regel identifizieren könnt.

Case 1: Online Shop für ein Beratungsunternehmen?

Unser erster Fall ist noch verhältnismäßig harmlos und birgt eine gewisse Komik in sich. Uns erreicht ein Schreiben einer Online Marketing Agentur aus Braunschweig, die uns Ihre Dienstleistungen verkaufen möchte.

Weshalb eine Agentur eine andere Agentur anschreibt, welche sich in einem sehr ähnlichen Geschäftsfeld betätigt, um Ihr dann die Dienstleistungen verkaufen zu wollen, welche diese selbst anbietet, ist an sich schon ziemlich rätselhaft (denn wie positiv kann dieses Akquise-Gespräch schon ausfallen?). Aber es wird besser.

Denn wir haben mit dieser Agentur in der Vergangenheit sogar schon erfolgreich zusammen gearbeitet. Der Absender des seltsamen Schreibens ist uns demnach bestens bekannt und zumindest operativ hatten wir einen professionellen Eindruck von den Kollegen. Aber es wird noch besser.

Überprüft die Empfehlungen

Die priorisierte Empfehlung, die in diesem Schreiben als erste Amtshandlung ausgesprochen wird, ist der „Umzug auf ein modernes Shop-System wie Magento 2 oder Shopware 5“. Ist euch der Fehler bereits aufgefallen? Richtig, was zum Geier soll ein Beratungsunternehmen, welches Dienstleistungen und keine Produkte verkauft, mit einem komplexen Online-Shop-System?

Für den Laien sieht das Schreiben hochprofessionell aus, aber ganz offensichtlich wurde nicht ein einziger Blick auf unsere Website geworfen, anders ist die Empfehlung eines Shop-Systems nicht zu erklären (außer mit der Einnahme von halluzinogenen Drogen, aber diese möchte ich den Kollegen nicht unterstellen).

Auf den folgenden zwei Seiten des Schreibens geht der Absender ins Detail und attestiert unserer Website auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten zahlreiche Optimierungspotenziale, wie zum Beispiel bei der Ladegeschwindigkeit.

Enttarnt falsche Angaben

Das Schöne ist, dass der Absender mit Google Page Speed die Quelle dieser Empfehlungen angibt (was an sich nur professionell ist) und wir deshalb diese Daten schnell nachprüfen können. Ihr ahnt es wahrscheinlich schon? Fast alle angegebenen Kennzahlen sind Fantasiegebilde und haben mit der Realität unserer Website nichts gemein.

Fazit Case 1

Lasst euch nicht von optisch perfekt gestalteten Präsentation oder einem Haufen Buzz Words blenden. Selbst ohne Quellenangaben hätte jeder in zwei Minuten Recherche auf Google feststellen können, dass hier Empfehlungen für eine Herztransplantation ausgesprochen werden, obwohl ihr nur eine Grippe habt.

Case 2: SEO vom nicht sichtbaren Experten?

Unser zweiter Fall kann definitiv der Kategorie „unseriös“ zugeordnet werden. Ende Mai 2019 erhalten wir eine gut formulierte E-Mail mit dem Vorschlag „einer Partnerschaft im E-Commerce Bereich“.

Auch hier fällt als erstes auf, dass sich der Absender unsere Website nicht angesehen haben kann. Denn was er uns verkaufen möchte, ist eine SEO Optimierung sowie eine Werbekampagne mit Google Ads. Also wieder eine Agentur, die einer anderen Agentur ihre eigenen Dienstleitungen offeriert und das auch noch mit Online Shop Bezug, den es in unserem Fall gar nicht gibt.

Wir sind an dieser Stelle natürlich schon raus, aber was macht jemand, der tatsächlich einen Online Shop betreibt und der diese E-Mail erhält? Denn das Schreiben an sich wirkt durchaus sympathisch, wirbt mit jeder Menge Erfahrung sowie Manpower und macht auf den SEO Laien wahrscheinlich einen kompetenten Eindruck.

Checkt die Website und das Impressum

Wir besuchen die Website des Absenders und landen bei www.seaoptimize.com. Die Inhalte zu den verschiedenen Teilbereichen einer Google Optimierung sind zwar etwas dünn, die Seite an sich ist aber optisch gut gestaltet, responsive, präsentiert ein großes Team und inszeniert den Anbieter, für den Laien sicher recht überzeugend, als Suchmaschinen-Experten.

Ein Blick ins Impressum kann nie schaden und siehe da, hier fehlen viele rechtlich verpflichtende Angaben. Keine Telefonnummer, keine Steuernummer, einzig der Name des Geschäftsführers sowie eine Adresse in der Schweiz sind hinterlegt. Hinzukommt, dass der Datenschutz eigentlich in jeder Hinsicht mit Füßen getreten wird, was bei einer professionellen Online Marketing Agentur eigentlich nicht vorkommen sollte.

Jetzt wollen wir es genau wissen und bei Betrachtung des angeblichen Firmensitzes auf Google Street View landen wir auf einer Großbaustelle in einem niedlichen Wohngebiet eines beschaulichen Schweizer Dörfchens.

Googelt das Unternehmen

Schließlich machen wir das, was jeder zur Überprüfung bei solchen Angeboten machen sollte: wir googeln das Unternehmen. Es überrascht uns nicht, dass weder bei der Eingabe des Namens noch der URL des Unternehmens irgendwelche Treffer auf Google zu finden sind.

Zu guter Letzt recherchieren wir, über kostenlose Abfragen bei Anbietern wie Whois.com, wann die Website des E-Mail Absenders registriert wurde. Unser Verdacht bestätigt sich – die Domain ist noch keinen Monat alt. Das ist natürlich kein Beweis für unseriöse Absichten, aber ein weiteres Indiz, dass hier Vorsicht geboten ist.

Fazit Case 2

Wenn ein Unternehmen, was euch im Bereich Online Marketing irgendetwas verkaufen will, auf Google zu seinem eigenen Namen oder zu seiner eigenen Domain nicht gefunden wird, kann da irgendetwas nicht stimmen.

Es kostet euch keine 5 Minuten das Impressum des Anbieters, dessen Website sowie dessen Google Sichtbarkeit auf wesentliche Punkte zu überprüfen und diese Zeit kann euch am Ende jede Menge Ärger ersparen.

Website nicht erreichbar

Wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen und auf die erhaltene E-Mail wie folgt geantwortet: „Hallo Herr #Unseriös, das klingt sehr interessant. Sie möchten also einer Agentur, die seit 6 Jahren erfolgreicher Google Partner ist, eine Google Optimierung verkaufen?

Entweder sollten Sie Ihren Algorithmus nochmal umprogrammieren oder Ihren Praktikanten mitteilen, dass es nicht schaden könnte, sich die Websites vorher auch tatsächlich mal anzusehen, bevor jemand im Kalt-Akquise Modus angeschrieben wird.

Das könnte die Conversion Rate steigern;) P.S.: Ihre Website verstößt übrigens gegen aktuelles Datenschutzrecht – nur so als Hinweis“.

Natürlich haben wir nie eine Antwort erhalten und keine drei Wochen nach diesem ominösen Anschreiben war die Website der selbsternannten Experten nicht mehr zu erreichen…

Case 3: Für 149 € die Online Welt erobern?

Bei unserem letzten Beispiel handelt es sich allem Anschein nach um organisierten Betrug. Ein Bekannter sieht auf Facebook eine Anzeige, welche ihm für nur 149€ quasi die Übernahme der sozialen Netzwerke verspricht.

Er klickt auf die Anzeige und landet auf der Website einer GmbH aus Aachen. Aufgrund der Firmierung und der gut gestalteten Homepage macht er sich keine Gedanken darüber, dass es sich um ein unseriöses Angebot handeln könnte.

Wenig später erhält er von eben dieser GmbH ein Angebot für die Erstellung von vier exklusiven Facebook Beiträgen pro Monat, welche zudem innerhalb der Zielgruppe beworben werden. Inklusive Reporting, Infosheets mit wichtigen Tipps für das Content Marketing sowie Optimierung der laufenden Aktionen. Für 149€ pro Monat! All In! Inklusive Steuern! Inklusive Werbekosten!

Günstig ist beileibe nicht immer gut

Jeder, der sich auch nur ein wenig mit Social Media Marketing oder Facebook Advertising befasst hat, liegt jetzt schon lachend unter dem Tisch. Für alle anderen: Wenn euch jemand eine mit Diamanten besetzte Rolex für 149€ andrehen will – kauft sie nicht!

Das Angebot ist natürlich viel zu günstig, um seriös zu sein. Professionelle Social Media Agenturen haben in der Regel einen Stundensatz von 80 bis 120 €. Keine seriöse Agentur kann bei einem Leistungspaket dieser Art zu einem Preis von 149€ überleben.

Aber leider fallen viele immer wieder auf solche Lockangebote herein und so machte sich auch mein Bekannter auf, einen Vertrag bei dem Anbieter zu unterschreiben. Gut, dass er mich vorher nochmal gefragt hat, was ich von dem Angebot halte.

Betrug, Verleumdungen und Drohungen

Auch hier kann sich eigentlich jeder selbst helfen und einfach mal bei Tante Google nachfragen. In diesem Fall lautete die URL komplett anders als der Name des Unternehmens. Das ist natürlich kein Beweis für unseriöse Machenschaften, aber schon einmal ziemlich seltsam.

Viel interessanter waren aber die anderen Suchergebnisse auf den ersten beiden Seiten. In wenigen Minuten ließ sich in Erfahrung bringen, dass das Unternehmen in den letzten Jahren immer wieder umfirmierte und mindestens unter fünf verschiedenen Namen aufgetreten ist (was auch die unterschiedliche URL erklärt).

In zahlreichen Foren fanden sich außerdem eine ganze Reihe an Horrorgeschichten von ehemaligen Kunden des Unternehmens, welche von Betrug, Verleumdungen und sogar Drohungen berichten. Nicht zu vergessen die unzähligen Anzeigen, welche bei der Staatsanwaltschaft Aachen gegen das Unternehmen bzw. die Hintermänner des Firmengeflechts eingereicht wurden.

Fazit Case 3:

Nur weil jemand auf Google oder Facebook eine Anzeige schaltet, muss sich dahinter kein seriöses Unternehmen verbergen. Ist ein Angebot auf den ersten Blick viel zu günstig, wird das seine Gründe haben und man sollte wenigstens eine gesunde Portion Skepsis an den Tag legen.

Eine kleine Recherche, welche in allen drei genannten Beispielen nur ein paar Minuten Aufwand bedeutet hat, ist immer hilfreich und kann euch im Worst Case jede Menge unnötige Kosten und noch mehr Nerven sparen.

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